Interview mit Alexander Schmid, Product Development Director

Alexander Schmid, Product Development Director bei Hirschmann Automotive seit 2007

Elektromobilität, E-Bike und mehr: Gegenwart und Zukunft bei Hirschmann Automotive

  1. Wie kamen Sie zur Automobilindustrie?

Seit Beginn meiner Berufslaufbahn war ich mit der Automotive-Branche in Kontakt. Nach meiner Berufsausbildung zum Industriemechaniker bei einem Automobilhersteller habe ich mich sehr schnell für ein Maschinenbaustudium entschieden. Nach erfolgreichem Abschluss konnte ich die betriebswirtschaftliche Lücke durch ein Aufbaustudium‚ Internationale Wirtschaftsbeziehungen, schließen.

Anschließend startete ich meine Karriere in der Produktentwicklung für Steckverbindungen bei einem der großen Player der Zulieferindustrie. Im Jahr 2007 bin ich dann zu Hirschmann Automotive gewechselt und leite seitdem den Bereich Produktentwicklung.

  1. In welche Antriebstechnologien investiert Hirschmann Automotive?

Wir arbeiten kontinuierlich am Ausbau unserer Steckverbindungstechnik für hochbeanspruchte Bauräume im Fahrzeug, an der Achsverkabelung, an Spezialkabel-Assemblys, an Stoßfängerleitungssätzen und Sensoriksystemen. Ebenso investieren wir in die Entwicklung von Spezialprodukten wie zum Beispiel die Hochdruckkontaktierung für den Motorkabelbaum für konventionelle Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor.

Vor über 10 Jahren haben wir beschlossen mit unserem Know-how dem damals beginnenden Trend der Elektromobilität zu folgen, und wir konnten dann unser erstes Konzept eines Hochvoltsteckverbinders erfolgreich einem namhaften Premiumhersteller anbieten. Heute ist daraus ein eigener Fachbereich mit einem zwischenzeitlich umfangreichen Produktportfolio geworden, welchen es weiter auszubauen gilt. Wir beliefern europäische, amerikanische und asiatische OEMs.

Wir können somit mit unserer Produktpalette nicht nur konventionelle Antriebstechnologien beliefern sondern auch Alternativen wie eben die Elektromobilität oder Brennstoffzellentechnologie.

  1. Wie schätzen Sie die Zukunft des Verbrenners ein?

Wenn man die aktuelle Marktlage betrachtet, hält der Trend zum Ausbau der Elektromobilität weiterhin an bzw. er beginnt überproportional zu wachsen. Auch weil die Rahmenbedingungen für Elektromobilität zusehends besser werden. Die möglichen Reichweiten der Elektro- oder Hybridfahrzeuge verbessern sich weiter, es wird verstärkt in die Batterieforschung investiert, und die gesamte Ladestruktur wird weiter ausgebaut. Die Ladezeiten werden sich weiter durch schnellere und höhere Energieeinspeisungen in die Fahrzeuge verkürzen. Hinzu kommen die CO2-Thematik und die damit verbundene Diskussion um die Klimaerwärmung.

Wobei in gegenwärtigen Studien zur Klimabilanz, die den CO2-Verbrauch von Elektroautos mit dem Verbrenner vergleichen, das Elektroauto oftmals insgesamt noch schlecht gerechnet wird, obwohl der CO2-Ausstoß beim rein elektrischen Fahren gleich null ist. Hintergrund sind die relativ CO2-intensive Batterieherstellung sowie die Frage, mit welchem Strommix E-Fahrzeuge geladen werden.

Wird jedoch mit vergleichbaren Fahrzeugleistungen und -verhalten gerechnet und geht der Strommix verstärkt in Richtung Ökostrom, dann steht das E-Fahrzeug hinsichtlich CO2-Ausstoß besser da.

Trotzdem wird der Verbrenner in den kommenden Jahren nach wie vor seine Berechtigung haben. Denn wo große Distanzen überwunden werden müssen und es noch keine Ladestruktur gibt, bleibt der Verbrenner relevant. Auch die Anschaffungspreise von Elektrofahrzeugen sind für die Endverbraucher nach wie vor höher als die von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Selbst mit staatlichen Subventionen oder Steuererleichterungen muss genau gerechnet werden. Und das zählt letztlich für viele Endverbraucher.

  1. Digitalisierung im Fahrzeug – Worin sehen Sie die Herausforderung?

Die Digitalisierung wird im Auto weiter Einzug halten. Fahrassistenzsysteme, radarüberwachte Abstandssysteme, Sprachsteuerung, Infotainment usw. sind quasi bereits Standard, und sie sind nur ein Meilenstein auf dem Weg zum autonomen bzw. teilautonomen Fahren. Die Fahrzeugvernetzung wird hierfür unabdingbar sein und muss Daten in Echtzeit liefern, damit die Fahrzeugsteuerung entsprechend schnell reagieren kann. Aber genau hierin liegt das Problem, denn jede vorgegebene Logik kann in bestimmten Verkehrssituationen zu falschen Fahrzeugreaktionen und damit zu Schäden führen – im schlimmsten Fall zu Personenschäden. Haftungsfragen und notwendige Rahmenbedingungen müssen durch die Rechtsprechung geklärt werden, um autonomes Fahren überhaupt zulassen zu können.

  1. Hirschmann ist in den E-Bike- und Pedelec-Markt eingestiegen. Wie kam es dazu?

Die aktuellen Wachstumszahlen auf dem E-Bike-Markt sind enorm. Lokale Händler in Vorarlberg berichten, dass aktuell von zehn verkauften Fahrrädern mindestens acht E-Bikes oder Pedelecs sind. Das zeigen auch die stark steigenden Verkaufszahlen in diversen EU-Ländern. Und jedes E-Bike benötigt eine Vernetzung von Akku, Antriebsmotor, Steuerungsdisplay, Sensoren und weiteren Funktionen, sprich Steckverbinder und kleine Leitungssätze. Und genau hier können wir unsere Kompetenzen aus der Automotive-Branche optimal einbringen.

  1. Wie sehen Gegenwart und Zukunft von Hirschmann Automotive aus?

Wir sind aus Produktsicht sehr gut aufgestellt, um die Bedürfnisse unserer Kunden in den unterschiedlichen Produktbereichen zufriedenzustellen. Durch die Übernahme der Stanzkompetenz der Firma Beutlhauser in Freyung sind wir nun auch in der Lage, eigenständig Produkte in Stanz-Biegetechnik herzustellen, und komplettieren unser Produktportfolio damit weiter (zum Beispiel mit Einpresstechnik).

Unsere Produkt- und Prozesstechnologie deckt alle Antriebstechnologien am Markt ab. Die Ausweitung ins E-Bike-Business ist ebenfalls sehr vielversprechend. Durch die Forcierung unserer Grundlagenentwicklung entstehen neben Produkt- und Prozessoptimierungen auch laufend komplett neue Systeme wie beispielsweise die Hochfrequenz-Stecksysteme für Anwendungen mit hohen Datenübertragungsraten, die zukünftig für teilautonomes bzw. vollautonomes Fahren benötigt werden.

  1. Was geben Sie Ihren Mitarbeitenden mit?

All diese neuen Trends und Entwicklungen zusammen mit unseren Kunden zu definieren und schließlich in Serie zu bringen – das macht die Arbeit und die Motivation in der Produktentwicklung aus. Auch wenn nicht immer gleich die Lösung klar vor Augen steht, lautet unser Motto: Es gibt immer eine Lösung. Und genau diese Einstellung schätzen unsere Kunden.

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Kontakt

Hirschmann Automotive GmbH
Oberer Paspelsweg 6-8
6830 Rankweil, Österreich
Telefon: +43 (0)5522 307-0
Email: info@hirschmann-automotive.com

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